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Kultur
- Name:
Otello Deutsche Oper
- Ort:
- Deutsche Oper Berlin
- Datum:
21.01.2012
- Uhrzeit:
19:30 Uhr
- Tickets:
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- Galerien:
- aus dieser Location
-
Otello - Deutsche Oper Berlin
Dramma lirico in vier Akten
Libretto von Arrigo Boito nach Shakespeares Tragödie Otello
In italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln
Nach einem siegreichen Feldzug über die Türken kehrt der in venezianischen Diensten stehende Feldherr Otello nach Zypern zurück. Ein Unwetter vor der heimischen Küste stürzt die Heimkehrer in ein Chaos der Naturgewalten, aus dem sie nur knapp entkommen. An Land werden sie vom jubelnden Volk und Otellos Frau Desdemona erwartet. Jago, vermeintlicher Intimus Otellos, fühlt sich durch die Beförderung Cassios zum Hauptmann und Otellos Stellvertreter übergangen und zurückgesetzt. Er will sich am heimlich gehassten Mohren rächen und spinnt eine tödliche Intrige. Indem er die Schwächen und Begierden der Menschen seiner Umgebung benutzt, lenkt er den Verdacht der Untreue auf Desdemona und treibt einen nicht mehr zu lösenden Keil zwischen sie und Otello. Den Gewalten der Natur im ersten Akt entkommen, erliegt Otello den Stürmen des eigenen Ichs. Als mehrere Indizien für ein Liebesverhältnis Cassios mit Desdemona zu sprechen scheinen, erwürgt Otello die geliebte Frau. Grundlos, wie sich sehr schnell herausstellt. Otello zieht die Konsequenzen und erdolcht sich selbst.
Mehr als eineinhalb Jahrzehnte nach der Uraufführung seiner Aida überraschte Verdi die Öffentlichkeit mit einer Shakespeare-Adaption, die als größte italienische tragische Oper des 19. Jahrhunderts gilt und als triumphale Antwort der italienischen Kunst auf die deutsche Vorherrschaft. Verdi, der in jeder seiner Opern um dramatische Wahrheit, die jeweils individuelle musikalisch-dramatische Einheit, die »tinta musicale« ringt, nutzt hier das volle Spektrum seiner reifen handwerklichen Möglichkeiten. Er komprimiert in idealer Weise die Handlung, so dass sich ein Sog der Zwangsläufigkeit des manipulierten und gleichzeitig schicksalhaften Geschehens ergibt. Die Behauptung, Verdi und seinem Librettisten Arrigo Boito wäre mit Otellodas einzigartige Kunststück gelungen, ein Shakespeare-Stück zu verbessern, kann zumindest als Indiz dafür gewertet werden, dass sie den Geist der Shakespeareschen Vorlage kongenial in Musiktheater zu übertragen vermochten.
Musikalische Leitung: Patrick Summers / Donald Runnicles
Inszenierung: Andreas Kriegenburg (2010)
Bühne: Harald Thor
Die Intensität, mit der Kriegenburg Otello und Desdemona psychologisch durchleuchtet und das Selbstzerstörerische dieser Beziehung offenlegt, ist bemerkenswert und auf der Opernbühne selten. Sie hat allerdings eine Kehrseite: Aus Jago wird eine Nebenfigur. Statt ein weitläufiges Intrigenwerk in Gang zu setzen, braucht er Otello nur den Samen des Verdachts einzupflanzen, den Rest erledigt dessen mangelnde Einfühlung und ethische Desorientierung. (BZ)
iebe und Tod treten einem auf der Opernbühne meist wie alte Bekannte entgegen, als Uressenzen der Gattung sozusagen, deren spezifisches Mischungsverhältnis das je individuelle Drama prägt, während die Ingredienzien selbst doch nur in den seltensten Fällen noch Rätsel aufzugeben scheinen. Liebe ist, wenn sich Tenor und Sopranistin anschmachten: heldenhaft strahlend oder lyrisch anrührend oder chromatisch voreinander in die Knie sinkend. Doch wann hat man in der Oper zuletzt eine Begegnung zwischen Sängern erlebt, in der die Liebe nicht als ein selbstverständlich verfügbarer Grundaffekt erschienen wäre, sondern wie ein kostbarer Brokat behutsam und feinfühlend aus einem zarten Beziehungsgefädel von wechselseitiger Annäherung und Innehalten überhaupt erst gesponnen werden musste? Vielleicht muss man, wie der Regisseur Andreas Kriegenburg, vom Schauspiel herkommen, um die Psychologie einer solchen Szene auf der Opernbühne derart mit Intimität und Glaubhaftigkeit durchdringen zu können. (FAZ) Kategorie: Kultur Tweet
Dramma lirico in vier Akten
Libretto von Arrigo Boito nach Shakespeares Tragödie Otello
In italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln
Nach einem siegreichen Feldzug über die Türken kehrt der in venezianischen Diensten stehende Feldherr Otello nach Zypern zurück. Ein Unwetter vor der heimischen Küste stürzt die Heimkehrer in ein Chaos der Naturgewalten, aus dem sie nur knapp entkommen. An Land werden sie vom jubelnden Volk und Otellos Frau Desdemona erwartet. Jago, vermeintlicher Intimus Otellos, fühlt sich durch die Beförderung Cassios zum Hauptmann und Otellos Stellvertreter übergangen und zurückgesetzt. Er will sich am heimlich gehassten Mohren rächen und spinnt eine tödliche Intrige. Indem er die Schwächen und Begierden der Menschen seiner Umgebung benutzt, lenkt er den Verdacht der Untreue auf Desdemona und treibt einen nicht mehr zu lösenden Keil zwischen sie und Otello. Den Gewalten der Natur im ersten Akt entkommen, erliegt Otello den Stürmen des eigenen Ichs. Als mehrere Indizien für ein Liebesverhältnis Cassios mit Desdemona zu sprechen scheinen, erwürgt Otello die geliebte Frau. Grundlos, wie sich sehr schnell herausstellt. Otello zieht die Konsequenzen und erdolcht sich selbst.
Mehr als eineinhalb Jahrzehnte nach der Uraufführung seiner Aida überraschte Verdi die Öffentlichkeit mit einer Shakespeare-Adaption, die als größte italienische tragische Oper des 19. Jahrhunderts gilt und als triumphale Antwort der italienischen Kunst auf die deutsche Vorherrschaft. Verdi, der in jeder seiner Opern um dramatische Wahrheit, die jeweils individuelle musikalisch-dramatische Einheit, die »tinta musicale« ringt, nutzt hier das volle Spektrum seiner reifen handwerklichen Möglichkeiten. Er komprimiert in idealer Weise die Handlung, so dass sich ein Sog der Zwangsläufigkeit des manipulierten und gleichzeitig schicksalhaften Geschehens ergibt. Die Behauptung, Verdi und seinem Librettisten Arrigo Boito wäre mit Otellodas einzigartige Kunststück gelungen, ein Shakespeare-Stück zu verbessern, kann zumindest als Indiz dafür gewertet werden, dass sie den Geist der Shakespeareschen Vorlage kongenial in Musiktheater zu übertragen vermochten.
Musikalische Leitung: Patrick Summers / Donald Runnicles
Inszenierung: Andreas Kriegenburg (2010)
Bühne: Harald Thor
Die Intensität, mit der Kriegenburg Otello und Desdemona psychologisch durchleuchtet und das Selbstzerstörerische dieser Beziehung offenlegt, ist bemerkenswert und auf der Opernbühne selten. Sie hat allerdings eine Kehrseite: Aus Jago wird eine Nebenfigur. Statt ein weitläufiges Intrigenwerk in Gang zu setzen, braucht er Otello nur den Samen des Verdachts einzupflanzen, den Rest erledigt dessen mangelnde Einfühlung und ethische Desorientierung. (BZ)
iebe und Tod treten einem auf der Opernbühne meist wie alte Bekannte entgegen, als Uressenzen der Gattung sozusagen, deren spezifisches Mischungsverhältnis das je individuelle Drama prägt, während die Ingredienzien selbst doch nur in den seltensten Fällen noch Rätsel aufzugeben scheinen. Liebe ist, wenn sich Tenor und Sopranistin anschmachten: heldenhaft strahlend oder lyrisch anrührend oder chromatisch voreinander in die Knie sinkend. Doch wann hat man in der Oper zuletzt eine Begegnung zwischen Sängern erlebt, in der die Liebe nicht als ein selbstverständlich verfügbarer Grundaffekt erschienen wäre, sondern wie ein kostbarer Brokat behutsam und feinfühlend aus einem zarten Beziehungsgefädel von wechselseitiger Annäherung und Innehalten überhaupt erst gesponnen werden musste? Vielleicht muss man, wie der Regisseur Andreas Kriegenburg, vom Schauspiel herkommen, um die Psychologie einer solchen Szene auf der Opernbühne derart mit Intimität und Glaubhaftigkeit durchdringen zu können. (FAZ) Kategorie: Kultur Tweet
ADRESSE
- Deutsche Oper Berlin
- Adresse:
- Bismarckstraße 35
Berlin
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